Erzielung starker Free Cashflows ist ein Hauptfokus des Finanzmanagements

Infolge der Corona-Pandemie ist die Nettoverschuldung des Unternehmens gestiegen. Dank eines strikten Liquiditätsmanagements und erfolgreicher Finanzierungsmaßnahmen, insbesondere einer im Oktober 2021 abgeschlossenen Kapitalerhöhung, konnten die Stabilisierungsmaßnahmen in Deutschland deutlich früher als ursprünglich geplant zurückgezahlt werden. Dennoch liegt die Verschuldung über dem Vorkrisenniveau. Für ihren weiteren Abbau, inklusive der Rückzahlung der am Jahresende 2021 weiter in Anspruch genommenen staatlich garantierten Kredite in der Schweiz, Österreich und Belgien, ist die Erwirtschaftung starker Free Cashflows essenziell. Neben der Steigerung des operativen Ergebnisses sind die wesentlichen Stellhebel dafür ein striktes Working Capital Management und eine disziplinierte Investitionstätigkeit. Die Lufthansa Group plant so, in den Jahren 2023 und 2024 einen Adjusted Free Cashflow von jeweils rund 2 Mrd. EUR zu erwirtschaften.

Im Geschäftsjahr 2021 betrug der Adjusted Free Cashflow –855 Mio. EUR (Vorjahr: –3.669 Mio. EUR).

Primär-, Sekundär- und Finanzinvestitionen in Mio. EUR 1)

1) Ohne Erwerb von Anteilen.

Verbesserungen im Working Capital Management unterstützen die Cashflow-Generierung

Das Working Capital Management soll auch über die akute Krise hinaus intensiviert werden. Dabei kommen Maßnahmen wie ein striktes Forderungsmanagement, die Verbesserung von Zahlungskonditionen bei Lieferanten, Prozessverbesserungen in der Beschaffung sowie die Optimierung der Vorratshaltung, vor allem bei Lufthansa Technik, zum Einsatz. In den Performance-Dialogen mit den Geschäftseinheiten spielt der Cashflow eine große Rolle, sodass die Organisation kontinuierlich für dessen Einfluss auf den Unternehmenswert sensibilisiert wird.

Fokussierte Investitionstätigkeit, um Rentabilität der eingesetzten Mittel zu maximieren

In den Jahren 2020 und 2021 wurden die geplanten Investitionen in allen Geschäftsfeldern überprüft und – soweit möglich und wirtschaftlich sinnvoll – verschoben, um den kurzfristigen Liquiditätsabfluss zu minimieren. In den kommenden Jahren wird der Konzern seine Investitionen wieder erhöhen, um langfristig profitables Wachstum sicherzustellen. Grundsätzlich sollen die Investitionen aber den Wert der Abschreibungen nicht übersteigen.

Die Lufthansa Group wird auch zukünftig weiter in die Modernisierung der Flotte, des Bord- und Bodenprodukts sowie in die Infrastruktur investieren. Neu hinzukommende Flugzeuge dienen dabei vorwiegend dem Ersatz älterer, weniger effizienter Modelle. Die Zuordnung der bestellten Flugzeuge auf die verschiedenen Airlines und Standorte wird stetig optimiert und folgt wertorientierten Kriterien. Die Ausgewogenheit des Investitionsprofils wird hierdurch erhöht und der Kapitaleinsatz stärker fokussiert. Die verstärkte Nutzung von Leasing wird den Kapitaleinsatz weiter begrenzen. Damit wird der Leasinganteil gegenüber dem derzeitigen Niveau von 12 % steigen.

Die Lufthansa Group reduzierte die Investitionen seit Ausbruch der Coronakrise insbesondere durch die Verschiebung von Flugzeugauslieferungen. Auch im Berichtsjahr blieben die Investitionen deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Gegenüber Vorjahr stiegen die Bruttoinvestitionen (ohne Erwerb von Anteilen) jedoch um 4 % auf 1.329 Mio. EUR (Vorjahr: 1.273 Mio. EUR). Sie entfielen im Wesentlichen auf An- und Schlusszahlungen für Flugzeuge, Flugzeugzubehör sowie Flugzeug- und Triebwerksüberholungen. Der Anstieg gegenüber Vorjahr resultiert im Wesentlichen aus höheren Anzahlungen für zukünftige Flugzeugauslieferungen.

Cashflow und Investitionen in Mio. EUR

1) Ohne Erwerb von Anteilen.
2) Ab 2018: Adjusted Free Cashflow.

Langfristig werden wieder Dividendenzahlungen angestrebt

Die Aktionär:innen sollen wieder direkt am Unternehmenserfolg beteiligt werden, sobald die langfristige finanzielle Stabilität des Konzerns wiederhergestellt ist. Vor der Corona-Pandemie sah die Dividendenpolitik der Lufthansa Group die Ausschüttung von 20 % bis 40 % des Konzerngewinns, bereinigt um einmalige Gewinne und Verluste, an die Aktionär:innen vor.

Derzeit schließen die Vertragsbedingungen der Stabilisierungsmaßnahmen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) jedoch die Zahlung von Dividenden noch aus. Dies gilt bis zur vollständigen Veräußerung der Aktienbeteiligung des WSF (31. Dezember 2021: 14,09 %), die vereinbarungsgemäß bis Oktober 2023 erfolgen muss.

Unter der Voraussetzung, dass der Jahresüberschuss des nach handelsrechtlichen Vorschriften zu erstellenden Einzelabschlusses der Deutschen Lufthansa AG eine Ausschüttung in dieser Höhe zulässt, wären Dividendenzahlungen in dem Jahr, das auf die Beendigung der Stabilisierungsmaßnahmen folgt, wieder möglich. Bis dahin wird der Konzern den Free Cashflow primär zur Tilgung seiner Finanzverbindlichkeiten, einschließlich der staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen, verwenden.