Erzielung starker Free Cashflows ist ein Hauptfokus des Finanzmanagements

Infolge der Corona-Pandemie und der daraufhin notwendig gewordenen Stabilisierungsmaßnahmen ist die Nettoverschuldung des Unternehmens deutlich gestiegen. Eine maßgebliche Voraussetzung für die zeitnahe Rückzahlung der Maßnahmen ist die Erwirtschaftung starker Free Cashflows. Neben der Steigerung des operativen Ergebnisses sind die wesentlichen Stellhebel dafür ein striktes Working Capital Management und eine Fokussierung der Investitionstätigkeit auf die Projekte mit der höchsten Wertschaffung.

Im Geschäftsjahr 2020 betrug der Adjusted Free Cashflow –3.669 Mio. EUR (Vorjahr: 203 Mio. EUR).

Primär-, Sekundär- und Finanzinvestitionen in Mio. EUR 1)

1) Ohne Erwerb von Anteilen.

Verbesserungen im Working Capital Management unterstützen die Cashflow-Generierung

Durch die Stärkung und Intensivierung des Working Capital Managements auch über die akute Krise hinaus soll eine Verbesserung des Cashflows erreicht werden. Hierbei steht die Optimierung des kurzfristig im operativen Geschäft gebundenen Kapitals im Vordergrund. Im Einzelnen kommen Maßnahmen wie ein striktes Forderungsmanagement, die Verbesserung beziehungsweise Verlängerung von Zahlungskonditionen bei liefernden Unternehmen sowie die Optimierung der Vorratshaltung zum Einsatz. Darüber hinaus werden krisenbedingt Optionen wie Vorauszahlungen von Kund:innen oder Stundungen von Zahlungen in besonderen Fällen geprüft und umgesetzt.

Fokussierte Investitionstätigkeit, um Rentabilität der eingesetzten Mittel zu maximieren

Die Lufthansa Group ist grundsätzlich bestrebt, Investitionen auf diejenigen Projekte zu konzentrieren, die die höchste Wertschaffung erwarten lassen. Für die Jahre 2020 und 2021 wurden die geplanten Investitionen in allen Geschäftsfeldern überprüft und – soweit möglich und wirtschaftlich sinnvoll – verschoben, um den kurzfristigen Liquiditätsabfluss zu minimieren. Damit wurden die Investitionen im Jahr 2020 gegenüber den ursprünglich geplanten mehr als 3 Mrd. EUR auf 1,3 Mrd. EUR reduziert.

Auch zukünftig soll das Investitionsniveau geringer sein als vor der Coronakrise. Die Lufthansa Group wird jedoch weiter in die Modernisierung der Flotte, des Bord- und Bodenprodukts sowie in die Infrastruktur investieren. Die bestellten Flugzeuge dienen dabei vorwiegend dem Ersatz älterer, weniger effizienter Modelle. Die Zuordnung der bestellten Flugzeuge auf die verschiedenen Airlines und Standorte wird stetig optimiert und folgt wertorientierten Kriterien. Die Ausgewogenheit des Investitionsprofils wird hierdurch erhöht und der Kapitaleinsatz stärker fokussiert.

Die Bruttoinvestitionen (ohne Ausgaben für den Erwerb von Anteilen an Unternehmen) sind im Geschäftsjahr 2020 um 64 % auf 1.273 Mio. EUR gesunken. Dies gelang vor allem durch die Restrukturierung der Zahlungspläne für Flugzeuginvestitionen. Die Investitionen entfielen im Wesentlichen auf An- und Schlusszahlungen für Flugzeuge, Flugzeugzubehör sowie Flugzeug- und Triebwerksüberholungen.

Die Verringerung der Investitionen gegenüber der ursprünglichen Planung leistete einen wesentlichen Beitrag zu der Begrenzung des Free Cashflow-Rückgangs.

Cashflow und Investitionen in Mio. EUR

1) Ohne Erwerb von Anteilen.
2) Ab 2018: Adjusted Free Cashflow.

Free Cashflow wird zur Verringerung der Verschuldung eingesetzt

Vor der Corona-Pandemie sah die Dividendenpolitik der Lufthansa Group die Ausschüttung von 20 % bis 40 % des Konzerngewinns, bereinigt um einmalige Gewinne und Verluste, an die Aktionär:innen vor. Angesichts der Krise beschloss die Hauptversammlung im Jahr 2020 jedoch die Aussetzung der Dividende für das Jahr 2019.

Langfristig sollen die Aktionär:innen wieder direkt am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Derzeit schließen die Stabilisierungsmaßnahmen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) jedoch die Zahlung von Dividenden aus. Dies gilt bis zur vollständigen Beendigung der Stabilisierungsmaßnahmen, also der Rückzahlung der Kredite, der Stillen Einlagen und der Veräußerung sämtlicher Aktien der Gesellschaft durch den WSF. Nach erfolgter Rückzahlung der Kredite und der Stillen Einlagen ist der WSF verpflichtet, die bis dahin noch gehaltenen Aktien an der Deutschen Lufthansa AG zu verkaufen. Die Veräußerung muss bis spätestens zum Ende des Geschäftsjahres 2023 erfolgen. Bei einer Rückzahlung der Stillen Einlagen erst nach diesem Zeitpunkt gilt die Verpflichtung unmittelbar. Unter der Voraussetzung, dass der Jahresüberschuss des nach handelsrechtlichen Vorschriften zu erstellenden Einzelabschlusses der Deutschen Lufthansa AG eine Ausschüttung in dieser Höhe zulässt, wären Dividendenzahlungen in dem Jahr, das auf die Beendigung der Stabilisierungsmaßnahmen folgt, wieder möglich. Bis dahin wird der Konzern den Free Cashflow primär zur Tilgung seiner Finanzverbindlichkeiten, einschließlich der staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen, verwenden.