Die Deutsche Lufthansa AG hat im Juni 2020 mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesrepublik Deutschland (WSF) und den Regierungen in Belgien, Österreich und der Schweiz Stabilisierungsmaßnahmen vereinbart, um die Folgen der Coronapandemie abzumildern und die Solvenz des Unternehmens zu erhalten.

Das ausgehandelte Stabilisierungspaket beinhaltete Stabilisierungsmaßnahmen und Kredite von insgesamt bis zu 9 Milliarden Euro.

Der WSF hat sich bereit erklärt, Stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,5 Milliarden Euro in das Vermögen der Deutschen Lufthansa AG zu leisten. Die Gewinnbeteiligung des WSFs berechnet sich als Kupon mit aufsteigender Zinsrate, beginnend mit 4% in den Jahren 2020 und 2021.

4,5 Milliarden Euro der Stillen Einlagen werden im Sinne der Vorschriften des HGB und der IFRS als Eigenkapital eingestuft (Stille Einlage I). In dieser Höhe ist die Stille Einlage unbefristet. Die Mittel der Stillen Einlage I müssen bis zum 31. Dezember 2021 gezogen werden. Das Unternehmen kann die Stille Beteiligung I ganz oder in Teilen kündigen.

Außerdem zeichnete der WSF im Wege einer Kapitalerhöhung Aktien, um eine Beteiligung von 20% am Grundkapital der Deutschen Lufthansa AG aufzubauen. Der WSF kann seinen Anteil am Grundkapital im Falle einer Übernahme der Gesellschaft auf 25% plus eine Aktie erhöhen.

Die Stille Einlage II in Höhe von 1,0 Milliarden Euro wird als Fremdkapital bilanziert. Sie kann bei Nichtzahlung der Kupons auf die Stillen Einlagen durch die Gesellschaft frühestens ab den Jahren 2024 und 2026 in eine weitere Aktienbeteiligung von jeweils 5% am Grundkapital gewandelt werden.

Die Stabilisierungsmaßnahmen wurden durch eine syndizierte Kreditfazilität der KfW in Höhe von 1 Milliarde Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren ergänzt. Das Unternehmen hat die Fazilität jedoch bereits im Februar 2021 vorzeitig zurückgezahlt. Die Mittel dazu wurden mit einer Anleiheemission am Kapitalmarkt aufgenommen.

In der Schweiz, Österreich und Belgien wurden im Rahmen der Stabilisierung außerdem staatliche Garantien für Kredite in Höhe von insgesamt 2 Milliarden Euro gegeben. Stabilisierungsmaßnahmen von weiteren 0,2 Milliarden Euro beziehen sich auf nicht rückzahlbare Zuschüsse und Gewinnbeteiligungen in Österreich und Belgien.

Auflagen im Zusammenhang mit dem Stabilisierungspaket bestehen unter anderem in Form des Verzichts auf künftige Dividendenzahlungen, Beschränkungen beim Erwerb von Beteiligungen an anderen Unternehmen und Beschränkungen der Managementvergütung. Außerdem wurden mit Angela Titzrath und Dr. Michael Kerkloh zwei Sitze im Aufsichtsrat in Abstimmung mit der Bundesregierung besetzt, wovon ein Aufsichtsrat (Dr. Michael Kerkloh) Mitglied des Prüfungsausschusses ist. Außer im Übernahmefall verpflichtet sich der WSF, sein Stimmrecht in der Hauptversammlung bei den üblichen Beschlüssen ordentlicher Hauptversammlungen nicht auszuüben.

Nach der Zustimmung durch Vorstand und Aufsichtsrat stimmten die Aktionär:innen der Gesellschaft im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni 2020 für die Annahme der Kapitalmaßnahmen und die Beteiligung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds an der Deutschen Lufthansa AG. Das Stabilisierungspaket wurde von der Europäischen Kommission genehmigt.

Details der Stabilisierungsmaßnahmen können der WSF-Rahmenvereinbarung und der Präsentation zu den Stabilisierungsmaßnahmen (nur in englischer Sprache) entnommen werden. In seiner Erklärung verpflichtet sich der Vorstand der Deutschen Lufthansa AG zur Einhaltung der vereinbarten Bedingungen und Auflagen.

Im Zusammenhang mit der Rückführung der Stabilisierungsmaßnahmen beschloss die Hauptversammlung 2021 die Schaffung eines neuen Genehmigten Kapitals C gemäß §7b WStBG (Wirtschaftsstabilisierungsbeschleunigungsgesetz) in Höhe von bis zu 5,5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Höhe des Genehmigten Kapitals C ist rein technisch aus der maximalen Höhe der Stillen Einlagen I und II des WSF abgeleitet. Der Erlös einer möglichen Kapitalerhöhung im Rahmen des Genehmigten Kapitals C müsste mehrheitlich zur Rückführung der Stabilisierungsmaßnahmen verwendet werden. Weiterführende Informationen zum Genehmigten Kapital C finden Sie hier.

Unterlagen zum Stabilisierungspaket

Details zu den aktuell abgerufenen Mitteln des Stabilisierungspakets entnehmen Sie bitte der aktuellen Unternehmenspräsentation, die auf der Investor Relations-Startseite heruntergeladen werden kann.