Die Lufthansa Group hat beschlossen, zukünftig eine Liquidität zwischen 8 Mrd. EUR und 10 Mrd. EUR vorzuhalten, um sich gegen mögliche Krisen zu schützen. Angesichts der signifikanten Steigerung der Geschäftsaktivität wurde damit das Niveau der angestrebten Mindestliquidität nochmals erhöht. Aus Kapitaleffizienzgründen wird ein Teil der strategischen Liquiditätsreserve in Form einer revolvierenden Kreditlinie vorgehalten. Eine entsprechende Kreditlinie in Höhe von 2,0 Mrd. EUR wurde im April 2022 mit einem breit aufgestellten Konsortium von internationalen Banken vereinbart und löste damit nicht in Anspruch genommene bilaterale Kreditlinien in Höhe von rund 0,7 Mrd. EUR ab. Somit erhöhte sich die verfügbare Liquidität der Lufthansa Group um rund 1,3 Mrd. EUR. Zum Ende des Berichtsjahres lag sie bei 10,4 Mrd. EUR (Vorjahr: 9,4 Mrd. EUR).

Weiterer Abbau der Verschuldung als Kernziel der Finanzstrategie

Die Reduktion des Verschuldungsgrads bleibt im Fokus der langfristigen Finanzstrategie. Vor allem die Erzielung starker Free Cashflows soll zur Reduktion der Nettoverschuldung beitragen. Auch Erlöse aus dem Verkauf von Geschäftsbereichen, die aus strategischen Gründen ganz oder teilweise veräußert werden sollen, können potenziell einen Beitrag zum Verschuldungsabbau leisten.

Rückkehr zu Investment Grade Rating angestrebt

Vor der Coronakrise bewerteten die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s die Bonität der Lufthansa Group jeweils als Investment Grade. Infolge der Coronakrise und deren Auswirkungen haben die beiden Agenturen das Rating herabgesetzt. Scope Ratings bewertete die Lufthansa Group während der Krise durchgehend mit Investment Grade. Mit der Agentur Fitch, die zum 1. November 2023 erstmalig ein Kreditrating für die Lufthansa Group vergeben hat, stuft die erste der drei global führenden Ratingagenturen die Lufthansa Group nach der globalen Corona-Pandemie wieder als Investment Grade ein. Sie honoriert damit die erfolgreichen Maßnahmen zum Abbau der Verschuldung und der nachhaltigen Stärkung der Bilanz.
 
Der Konzern strebt an, wieder von allen Ratingagenturen ein Investment Grade Rating zu erlangen. Die Beurteilung der Unternehmensbonität mit Investment Grade sichert einen guten Kapitalmarkt-Zugang und niedrige Finanzierungskosten und damit den finanziellen Handlungsspielraum des Unternehmens. Die Bedingungen für ein Investment Grade Rating verbessern sich weiter, unter anderem durch das operative Ergebnis und den fortgesetzten Schuldenabbau.

Zur Beurteilung der Schuldentragfähigkeit des Konzerns wird die Kennzahl "Adjusted Net Debt / Adjusted EBITDA" betrachtet. Diese Kennzahl berücksichtigt mit dem Adjusted Net Debt neben der klassischen Nettokreditverschuldung auch die Pensionsrückstellungen. Seit dem Geschäftsjahr 2019 umfasst sie mit der Einführung des neuen Rechnungslegungsstandards zur Leasingbilanzierung (IFRS 16) auch die finanziellen Verpflichtungen aus Lease-Verträgen (unter anderem Immobilien und Flugzeuge) des Konzerns.

Adjusted Net Debt / Adjusted EBITDA

Adjusted Net Debt / Adjusted EBITDA
 2022 in Mio. EUR2021 in Mio. EURVeränderungen in %
Nettokreditverschuldung1)6.6248.776–25
Netto-Pensionsverpflichtungen1.9936.540–70 
Adjusted Net Debt8.61715.316–44
Adjusted EBIT1.509–1.666 
Abschreibungen2.2772.2591
Adjusted EBITDA3.786593538
Adjusted Net Debt/
Adjusted EBITDA
2,3x25,8x-91

1) Zur Ermittlung der Nettokreditverschuldung wurden hier 50 % der 2015 begebenen Hybridanleihe (247 Mio. EUR) herausgerechnet. Herleitung der Nettokreditverschuldung Geschäftsbericht S. 49